20. Nov. 2003

Wir erwachen mit den hell werdenen Wolken.

Das tönt pessimistisch, aber heute macht der Regenwald seinem Namen wieder alle Ehre! Es ist unbestritten auch ein Erlebnis, in strömendem Regen durch den Dschungel zu waten und stampfen, aber ein kurzer Spritzer würde gereicht.

Unter einer sehr dunklen Wolkendecke marschieren wir, ausgerüstet mit Gummistiefeln los. Nach wenigen Metern entdeckt Jorge schon die erste Schlange. Mit Hilfe eines Holzstecken mit Gabel vorne klemmt er sie beim Kopf, damit wir sie alle sehen können. Es sei eine Lanzenotter (sehr giftig).

Kurz danach regnet es auch schon. Wir wandern in satt grüner Umgebung dem schmalen schlammig nassen Pfad entlang und können die Ponchos nach kurzer Zeit für‘s Erste wieder ablegen.

Es geht hinab, wir überqueren einen Bach und klettern -rutschen- wieder hinauf und watscheln dem Pfad entlang, bis es wieder hinab geht. . .

Wir durchwaten wieder ein Flüsschen um den nächsten Hügel zu erklimmen. Geht ja wunderbar mit den Gummistiefeln, keine nassen Füsse!!

Und wieder bergab... Ohje, jetzt haben wir uns entweder verlaufen oder es muss irgendwo eine Brücke haben!?
Weder noch, wie wir feststellen, es geht durch den Fluss der ca. 60-70 cm tief ist, ohne wenn und aber!

Am Abend werden wir darüber lachen, dass wir uns noch die Mühe machen um die Gummistiefel und Socken auszuziehen und die Hosen so hoch wie möglich zu rollen, aber wir wussten ja nicht, dass das absolut vergebliche Mühe war!

Wir haben es geschafft - hoffentlich kommt nicht noch so ein Fluss - ziehen alles über die nassen und dreckigen Füsse und marschieren weiter, immer bemüht auf den schlammigen Weg zu achten und doch die wunderschöne Vegetation bewusst wahr zu nehmen.

Nach 3 Stunden erreichen wir einen schönen Rastplatz. So etwa beim letzten Bissen und Schluck vom Znüni beginnt es wieder zu regnen, . . . und zwar schon in wenigen Minuten in strömen!

Wir brechen sogleich auf, denn, wie uns Jorge mit einer selbstverständlichen Gelassenheit mitteilt, steige der Fluss bei Regen schnell, . . . das heisst:
wir gehen den gleichen Weg wieder zurück!
Ja genau..., und das alles freiwillig!

Der Regen prasselt herunter und noch bevor wir die Flussüberquerung erreichen, „glutscht“ es in allen Gummistiefen von den vielen grossen Tropfen, die den Weg in die Stiefel wählten. Wassergedämpfte Stiefel - eine Marktlücke?

Mit einer Gelassenheit, als ob wir das jeden Tag machen würden, waten wir, mit allem an, wieder durch den Fluss. So nass wie wir schon sind, was soll‘s da noch?

Um die Gummistiefel zu leeren, ziehe man den Unterschenkel nach oben, was gleichzeitig auch die strapazierten Oberschenkel dehnt...

Auf dem Rückweg entdecken wir eine weitere Schlange, noch schöner als die erste, wie Peter staunend feststellt. Nun gibt es kein Halten mehr, die muss fotografiert werden.
Ich schütze Peter und seine Kamera mit dem Schirm von Marlies. Wir schmunzelten noch Tage zuvor, wie Marlies geschützt vom Ponchos und mit ihrem Knirps durch den Regenwald wandert, sah auch köstlich aus. Nun sind wir aber sehr froh drum.

Den Nachmittag verbringen wir in der Lodge, lesend, schlafend oder plaudernd. Es regnet immer wieder und der Wind lässt uns doch tatsächlich frösteln.

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