Pipante (Einbaumboot)

21. Nov. 2003

Heute ist die Einbaum-Bootsfahrt auf dem Programm. Wir werden in einem sogenannten Pipante flussaufwärts gestossen/gezogen, von 3 Einheimischen, zwei mit langen Stecken vorne und einer mit einem Ruder und Stecken ausgerüstet hinten. Pro Pipante sitzen 2 von uns.

Gemäss meinen Nachfragen ist das nicht gefährlich, man müsse einfach aufpassen um die Balance zu halten.

Wir kommen uns ziemlich hilflos vor, zuschauen zu müssen, wie sich unsere „Chauffeure“ und Chauffeusen“ mühsam gegen den Strom, Meter für Meter erarbeiten - es ist sehr streng.

Nach gut einer Stunde erreichen wir die erste Etappe. Wir steigen aus und wandern wieder in einem wunderschönen Dschungelabschnitt über den Hügel. Der Weg führt uns am Schluss zu einem Bach, wo früher nach Gold gesucht wurde.

Die Bootsführer fahren alleine eine grössere Stromschnelle (wir werden sie noch kennen lernen) hinauf und erwarten uns wieder für das letzte Stück flussaufwärts. Unser Ziel sind Petroglyphen (Felszeichnungen) mitten im Fluss. Man weiss bis heute nicht, wer diese Zeichnungen wann gemacht hat und warum, mit welcher Bedeutung.

Auf der Rückfahrt lassen wir uns von der Strömung langsam abwärts treiben. Nun sei es gemütlicher, meinte Jorge und auf meine Frage bezüglich Sicherheit schüttelt er verneinend (und grinsend) den Kopf, es sei kein Problem.

Ich freue mich auf jeden Fall nicht besonders auf den Heimweg. Ich sitze schon seit Beginn verkrampft im Boot, da es immer irgend auf eine Seite schaukelt und wir automatisch das Gewicht auf die Gegenseite verlagern.

Die ersten kleinen Stromschnellen gehen gut und wir nähern uns der grösseren (was wir gar nicht wussten, da wir ja diese Strecke gewandert sind).
Oh Schreck, wenn das nur gut geht!

Natürlich sind es keine gewaltigen Rapids, aber wir sitzen ja auch nicht, mit Helm und so, in einem River-Rafting-Gummiboot! Eine Schwimmweste haben wir jedoch an, zum Glück!

Tja, es wäre  f a s t  gut gegangen, hätte sich in mitten des Wasserstrudels nicht eine Welle unser Boot als Ziel ausgesucht. Schwapp, das Boot ist voll und auch schon upside-down!

Es ist unheimlich schnell gekippt!
Dank den Schwimmwesten fühle ich mich sicher (obwohl ich bestimmt die Augen weit aufgerissen habe, als ich wieder aufgetaucht bin) und Peter kann sich auf seinen Rucksack, mit der gesamten Fotoausrüstung drin, konzentrieren.
Mit Händen und Füssen versuche ich dem Einheimischen neben mir klar zu machen, dass mein Rucksack fehlt, er ermahnt mit aber nur, mich am Boot festzuhalten. In meinem Kopf stürmen die Gedanken um den Rucksack mit meiner Kamera drin wild umher.

Wir befördern uns und das Pipante ans Flussufer wo auch die anderen zu uns kommen. Nach einem kurzen Tauchgang eines Einheimischen unters Boot sehe ich mit grosser Erleichterung, wie er meinen Rucksack in seinen Händen hält!

Das Boot wird mit einem Schöpfer und dem Ruder entwässert und wir nehmen die Fahrt wieder auf.
Leider können wir es nicht mehr geniessen, wir frieren! Es ist stark bewölkt mit Nieselregen und windig. Die Unsicherheit, ob die Wassersäcke mit den Kameras drin, wirklich dicht sind, nagt an unserer Geduld und wir sind auch, einfach gesagt, hässig!
Für das Malheur geben wir einem der vorderen die Schuld, da er sich schon auf dem ganzen Weg sehr lässig gegeben hat. Wie wir nachher erfahren haben, ist der Hintermann der Erfahrenste, was natürlich nichts nützt, wenn die sich vorne nicht konzentrieren.

Die Wassersäcke sind tip-top und alle Kameras und das Zubehör ist trocken!

Einziger Verlust: Ein einfacher Feldstecher (war ein Werbegeschenk) und ein Gummistiefel von Peter. Dummerweise hat unser Hintermann auch einen Stiefel verloren - und auch den Rechten!

Den Nachmittag verbringen wir wieder bei unseren Gastgebern. Da die Sonne auch in der zweiten Tageshälfte kein Bedürfnis verspürt, sich zu zeigen, lesen und/oder schlafen wir und geniessen vor allem die trockenen warmen Kleider.

Was ist das für ein Gekreische, das aus der Ferne immer näher komm? - tönt wie gierende Türen...!
Ein Schwarm grüner Papageien (10 - 20 Tiere) fliegt mit schnellen nervösen Flügelschlägen über uns hinweg.

  » 22. November